Titelgrafik zum Thema barrierefreie Websites: Illustration mit Rollstuhlnutzerin, Symbolen für Seh- und Hörbehinderungen sowie Paragrafenzeichen als Hinweis auf gesetzliche Vorgaben.

Barrierefreie Websites 2025: Pflicht statt Kür

Teilen

Veröffentlicht am 29.08.25

in

Lesezeit: 11 Min

Eine moderne Website muss heute zwei wesentliche Anforderungen erfüllen: Sie sollte barrierefrei und für mobile Geräte optimiert sein. Barrierefreiheit stellt sicher, dass Menschen mit Behinderungen Ihre Website ohne Hindernisse nutzen können – unabhängig von Einschränkungen der Sehkraft, des Hörvermögens oder der Motorik. Mobile-Optimierung sorgt dafür, dass deine Inhalte auch auf Smartphone und Tablet optimal dargestellt werden. Beides ist nicht nur eine Frage der Nutzerfreundlichkeit, sondern ab 2025 auch eine gesetzliche Pflicht für viele Websites. 

In diesem Artikel erfährst du:

Wer vom BFSG betroffen ist – und wer nicht.

Was Barrierefreiheit konkret bedeutet (WCAG 2.1 AA – praxisnah erklärt).

Typische Fehler (Kontraste, Alt‑Texte, PDFs, Navigation) und wie du sie behebst.

Was „mobile‑optimiert“ heute wirklich verlangt (Responsiv, Performance, Touch‑UX).

Wie Neox Studios dich von Erstcheck bis Relaunch professionell unterstützt.

Barrierefreiheit wird ab 2025 zur gesetzlichen Pflicht

Am 28. Juni 2025 tratt in Deutschland das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) in Kraft. Dieses Gesetz setzt die EU-Vorgaben des European Accessibility Act um und verlangt, dass zahlreiche digitale Produkte und Dienstleistungen – einschließlich vieler Websites und Apps – für Menschen mit Behinderungen barrierefrei zugänglich sein müssen. Konkret heißt das: Unternehmen, die z. B. Online-Shops, Buchungsportale oder sonstige an Verbraucher gerichtete Online-Dienste betreiben, müssen ihre Webangebote bis zu diesem Stichtag den neuen Vorgaben anpassen. Die Anforderungen orientieren sich an internationalen Standards wie der EU-Norm EN 301 549 und den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.1 Level AA), welche klare Kriterien für barrierefreie Websites vorgeben.

Wer ist betroffen? Grundsätzlich gilt die Pflicht für alle webbasierten Dienstleistungen im B2C-Bereich (elektronischer Geschäftsverkehr). Typische Beispiele sind Websites von Banken und Versicherungen, Online-Banking-Portale, Ticket- und Buchungssysteme, E‑Commerce/Online-Shops sowie jegliche Online-Plattform, über die Verbraucher Verträge abschließen oder Transaktionen tätigen. Rein private oder geschäftlich interne (B2B-)Webangebote sind vom Gesetz ausgenommen. Auch Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten und max. 2 Mio. € Jahresumsatz sind derzeit nicht verpflichtet. Dennoch lohnt es sich auch für diese, Barrierefreiheit freiwillig umzusetzen – nicht zuletzt, weil eine barrierefreie Website für alle Nutzergruppen komfortabler ist und Ihre Reichweite erhöht.

Welche Konsequenzen drohen? Die Einhaltung der Barrierefreiheit wird ab 2025 von Behörden überwacht. Bei Verstößen können Warnungen und sogar Bußgelder von bis zu 100.000 Euro verhängt werden. Im Extremfall könnte die weitere Bereitstellung eines nicht barrierefreien Online-Dienstes untersagt werden. Außerdem besteht das Risiko kostenpflichtiger Abmahnungen durch Mitbewerber oder Verbände, da Verstöße als Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht gewertet werden könnten. 

Kurz gesagt: Wer die gesetzlichen Vorgaben ignoriert, geht rechtliche und finanzielle Risiken ein. Es ist daher dringend empfohlen, frühzeitig für Barrierefreiheit zu sorgen – im Interesse Ihrer Nutzer und Ihres Unternehmens.

Dass der Handlungsbedarf enorm ist, zeigt eine Auswertung von WebAIM. Demnach erfüllen weniger als 2 % aller getesteten Websites die Vorgaben fehlerfrei. Die häufigsten Probleme sind schwacher Textkontrast (86 %), fehlende Alternativtexte (66 %) und fehlerhafte Links (60 %).

Infografik: Anteil fehlerhafter Websites nach WCAG-Kriterien – häufige Probleme sind Textkontrast, fehlende Alternativtexte und fehlerhafte Links.
Quelle: Statista / WebAIM, Februar 2020

Was bedeutet Barrierefreiheit auf einer Website?

Eine Website ist barrierefrei, wenn alle Nutzerinnen und Nutzer – unabhängig von möglichen Behinderungen – die Inhalte auffinden, verstehen und bedienen können. Dazu müssen bestimmte technische und inhaltliche Kriterien erfüllt sein. Die WCAG-Richtlinien fassen diese in vier Prinzipien zusammen: Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, Verständlichkeit und Robustheit. Im Klartext bedeutet das unter anderem:

 

  • Ausreichende Lesbarkeit: Texte müssen gut lesbar sein, z. B. durch angemessene Schriftgrößen und klare Schriften. Auch bei Vergrößerung (Zoom) oder Nutzung auf kleinen Bildschirmen dürfen keine Bedienelemente oder Inhalte verloren gehen. Ein ausreichender Zeilenabstand und ein flexibles Layout sorgen dafür, dass Nutzer mit Sehschwäche den Inhalt bequem erfassen können. Wichtig ist zudem ein hoher Farbkontrast zwischen Text und Hintergrund, damit Text auch von Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen oder bei ungünstigen Lichtbedingungen erkannt wird.
 
  • Text-Alternativen für visuelle Inhalte: Alle bedeutungsvollen Bilder und Grafiken sollten mit einem Alt-Text (Alternativtext) versehen sein. Dieser beschreibt den Bildinhalt in Worten. Screenreader – Vorleseprogramme, die von Blinden und Sehbehinderten verwendet werden – können so erfassen, was auf einem Bild dargestellt ist. Ohne Alt-Tags bleiben wichtige visuelle Informationen für diese Nutzergruppe unsichtbar. Ähnliches gilt für Videos und Audioinhalte: Hier sollten Untertitel bzw. Transkripte und Audiodeskriptionen bereitgestellt werden, damit auch hörbehinderte oder blinde Menschen den vollen Inhalt mitbekommen.
 
  • Tastatur-Bedienbarkeit und Navigation: Eine zentrale Anforderung ist, dass sämtliche Funktionen der Website ohne Maus nutzbar sind – also z. B. per Tastatur (Tabulator-Taste, Enter etc.) oder per Sprachsteuerung. Insbesondere die Navigation (Menüs, Untermenüs) muss so gestaltet sein, dass man sich allein mit der Tastatur durch die Seite bewegen kann. Das schließt ein, dass interaktive Elemente einen sichtbaren Tastaturfokus haben und übersprungen werden können (Stichwort Skiplinks, um z. B. direkt zum Hauptinhalt zu springen). Eine klar strukturierte Menüführung mit eindeutigen Beschriftungen hilft allen Nutzern bei der Orientierung – und ist für Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder Screenreader-Nutzer besonders wichtig.
 
  • Sauberer Code und Kompatibilität: Hinter den Kulissen sollte der HTML-Code semantisch korrekt und standardkonform sein. Überschriften sollten als <h1> ... <h6> ausgezeichnet sein (und nicht etwa nur durch fette Schrift simuliert werden), Listen als <ul>/<ol> strukturiert, Formularelemente mit Labeln versehen etc. Solche sauberen Strukturen stellen sicher, dass assistive Technologien (Screenreader, Braillezeilen) die Seitenelemente korrekt erkennen und zuordnen können. Zudem erhöht robustes, valides HTML die Zukunftssicherheit deine Website: Sie funktioniert zuverlässig auf unterschiedlichen Geräten, in verschiedenen Browsern und auch mit künftigen Technologien.
 
Barrierefreiheit umfasst noch viele weitere Aspekte – von der Bereitstellung einer Barrierefrei-Erklärung auf deiner Website, über Hinweise in Leichter Sprache bis hin zur Optimierung von PDF-Dokumenten. Letzteres ist ein häufig unterschätztes Thema: Schätzungsweise 99,99 % der im Web angebotenen PDF-Dateien sind nicht barrierefrei. Solche PDFs – etwa eingescannte Formulare oder Broschüren – können von Blinden oft gar nicht gelesen werden. Umso wichtiger ist es, PDF-Inhalte entweder barrierefrei aufzubereiten (z. B. PDF/UA-Standard) oder als reguläre HTML-Webseite bereitzustellen. 
Insgesamt gilt: Je früher Barrierefreiheit bei der Erstellung oder Überarbeitung einer Website berücksichtigt wird, desto leichter lässt sie sich umsetzen.

Besonders Onlineshops zeigen, wie groß der Nachholbedarf ist. Eine Untersuchung von Aktion Mensch (2024) belegt: Nur 17 % der Shops mit Multimedia-Inhalten bieten Untertitel oder Gebärdensprache an. Auch bei der Tastaturbedienbarkeit hapert es – gerade einmal 21 % der Shops sind ohne Maus vollständig nutzbar.

Infografik: Viele Onlineshops sind nicht barrierefrei – große Defizite bei Tastaturbedienbarkeit, Untertiteln und Gebärdensprache.
Quelle: Statista / Aktion Mensch, 2024

Mobile-Optimierung: Nutzerfreundlichkeit auf allen Geräten

Während Barrierefreiheit vor allem gesetzlich vorgeschrieben ist und Menschen mit Behinderungen zugutekommt, ist die Mobile-Optimierung ein nahezu ebenso wichtiger Erfolgsfaktor – für alle Nutzer. In den letzten Jahren hat die Internetnutzung via Smartphones stetig zugenommen. Über die Hälfte des weltweiten Internetverkehrs läuft heute über mobile Geräte. Nutzer erwarten daher selbstverständlich, dass Websites auf ihrem Handy genauso gut funktionieren wie auf dem Desktop-PC.

 

Was bedeutet mobile-optimiert? In erster Linie heißt es, dass Ihre Website responsiv ist – also das Layout sich flexibel an unterschiedliche Bildschirmgrößen anpasst. Auf einem kleinen Handy-Bildschirm müssen Texte, Bilder und Buttons immer noch gut erkennbar und bedienbar sein, ohne dass man ständig zoomen oder seitwärts scrollen muss. Eine mobile-optimierte Seite verwendet z. B. ein Menü, das auch auf Touchscreens einfach zu bedienen ist (oft ein „Hamburger“-Menü-Icon), ausreichend große Klickflächen für Links und Buttons sowie mobilfreundliche Schriftgrößen. Auch die Ladezeiten spielen eine Rolle: Mobile Nutzer haben oft langsamere Verbindungen, daher sind schnelle, schlanke Websites hier im Vorteil.

 

Warum ist das so wichtig? Zum einen natürlich wegen der Benutzererfahrung – niemand bleibt gern auf einer Seite, die auf dem Handy unübersichtlich ist oder deren Navigation nicht funktioniert. Zum anderen berücksichtigen auch Suchmaschinen die Mobile-Tauglichkeit: Google hat längst auf Mobile-First Indexing umgestellt, d. h. die Mobilversion einer Website wird vorrangig zur Bewertung herangezogen. Eine nicht mobil-optimierte Seite riskiert also schlechtere Rankings in den Suchergebnissen. 

Kurz: Mobile-Optimierung ist heutzutage ein Muss, um alle Nutzergruppen zu erreichen und online sichtbar zu bleiben.

Häufige Probleme und Fehlerquellen auf Websites

Bei der Analyse bestehender Websites sehen wir immer wieder ähnliche Barrieren – sowohl in Bezug auf die Barrierefreiheit als auch auf die mobile Nutzbarkeit. Im Folgenden einige typische Probleme und wie sie sich vermeiden lassen:

 

 

  • Fehlende Alt-Texte bei Bildern: Auf vielen Websites fehlen noch immer Alternativtexte für Bilder. Die Folge: Screenreader-Nutzer erfahren nichts über den Bildinhalt, was z. B. bei Produktfotos oder Infografiken wichtige Informationen vorenthält. 

 
  • Zu kleine Schriftgrößen: Winzige Schrift erschwert nicht nur sehbehinderten Menschen das Leben, sondern allen Nutzern – insbesondere auf Mobilgeräten. Oft sehen wir Websites, auf denen Fließtext z. B. in 12px Schriftgröße gesetzt ist, was auf einem Handy kaum lesbar ist. 

 
  • Schwache Farbkontraste: Ein hellgrauer Text auf weißem Hintergrund mag modern aussehen, ist aber für viele schwer lesbar. Menschen mit Farbsehschwächen oder im Sonnenlicht auf dem Handy-Display können Inhalte mit geringem Kontrast kaum erkennen. 

 
  • Nicht barrierefreie PDF-Dokumente: Wie oben erwähnt, sind PDFs oft problematisch. Häufig liegen z. B. Formulare, Speisekarten oder Berichte nur als eingescanntes PDF vor – Text also als Bild. Solche Dateien können weder vergrößert noch von Screenreadern sinnvoll gelesen werden. 

 
  • Probleme bei der Navigation auf Mobilgeräten: Ein häufiger Mobil-Bug sind Menüs, die auf dem Smartphone nicht funktionieren – etwa weil ein Untermenü nur per Mouseover aufklappt, was auf Touchscreens nicht möglich ist, oder weil das „Burger-Menü“ Icon zwar da ist, aber beim Antippen nichts passiert. 

 

 

Natürlich gibt es neben diesen Beispielen noch viele weitere Punkte, die eine Rolle spielen – von korrekt ausgezeichneten Formularfeldern über verständliche Fehlermeldungen bis hin zu der Frage, ob Inhalte in Leichter Sprache angeboten werden sollten. Wichtig ist, systematisch vorzugehen: Mittels standardisierter Tests (etwa nach WCAG-Kriterien) lässt sich ermitteln, wo Ihre Website noch Lücken hat.

Wie Neox Studios dich unterstützt

Die Umsetzung all dieser Anforderungen kann komplex sein – aber du musst das nicht allein bewältigen. Wir verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Gestaltung von barrierefreien, mobil-optimierten und nutzerfreundlichen Websites. Wir kennen die gesetzlichen Vorgaben und technischen Standards genau und wissen, wie man sie in der Praxis effizient umsetzt.

 

 

  • Kostenloser Website-Check: Als ersten Schritt bieten wir dir eine kostenlose Erstprüfung Ihrer Website an. Dabei analysieren wir die wichtigsten Seiten und Funktionen auf Barrierefreiheit und Mobile-Tauglichkeit. Du erhältst von uns einen Bericht mit den Befunden und konkreten Handlungsempfehlungen. Dieser Check ist unverbindlich – er soll dir Klarheit verschaffen, wo dein Webauftritt steht.
 
  • Technische und gestalterische Umsetzung: Falls Optimierungsbedarf besteht, kümmern wir uns auf Wunsch um die fachgerechte Umsetzung. Unsere Entwickler und Webdesigner beheben identifizierte Mängel – zum Beispiel indem fehlende Alt-Texte ergänzt, der Code semantisch aufgeräumt oder das Stylesheet für bessere Kontraste angepasst wird. Wir sorgen dafür, dass deine Seite die WCAG-Standards erfüllt und auf allen Geräten hervorragend funktioniert. Dabei achten wir stets darauf, dass auch das Design und die User Experience stimmen. Barrierefreiheit bedeutet nicht, dass deine Seite langweilig oder altmodisch aussehen muss – im Gegenteil: Eine durchdachte, inklusiv gestaltete Website wirkt oft moderner und übersichtlicher.
 

 

Ganzheitlicher Website-Relaunch: In manchen Fällen ist es sinnvoll, einen veralteten Webauftritt grundlegend zu erneuern. Neox Studios übernimmt auch komplette Website-Relaunches, bei denen Barrierefreiheit und Mobile-Optimierung von Anfang an mitgeplant sind. Von der Konzeption über das Webdesign bis zur technischen Entwicklung erhältst du bei uns alles aus einer Hand. 

Fazit: Barrierefreiheit und Mobile-Optimierung sind dein Schlüssel zur Zukunftssicherheit

Mit den gesetzlichen Änderungen im Jahr 2025 wird Barrierefreiheit im Web vom „nice-to-have“ zum Must-have. Doch nicht nur aus Pflicht, sondern aus Überzeugung lohnt es sich, in eine zugängliche und mobile-optimierte Website zu investieren. Du erreichst damit alle deine potenziellen Kundinnen und Kunden, bietest ein besseres Nutzungserlebnis und stäkst dein Markenimage. Neox Studios steht dir dabei als kompetenter Partner zur Seite – vom ersten Check bis zur fertigen Umsetzung. Kontaktiere uns gern für deine Fragen rund um barrierefreie und mobile Web-Lösungen. Gemeinsam machen wir deine Website zukunftssicher und erfolgreich!

Jetzt kostenlosen Website-Check anfragen

Ähnliche Projekte

Barrierefreie Websites 2025: Pflicht statt Kür

Die Architektin im Backend

App vs. Web-App: Welche Lösung passt besser zu deinem Business?